Die Isle of Skye – wo Schottland im mystischen Nebel versinkt

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Die Isle of Skye – wo Schottland im mystischen Nebel versinkt

Wer immer schon mal sein eigenes Fantasy-Epos erleben wollte, kann einer Reise zur Isle of Skye einfach nicht widerstehen. Die schottische Insel scheint mehr märchenhafte Ausblicke zu bieten, als jeder andere Fleck der Welt, denn majestätische Felsen, tiefe, grüne Täler, in denen das Sonnenlicht mit den Schatten tanzt, und lebendige Mythen warten auf jeden Traveler, der sich verzaubern lassen möchte.

Die sagenumwobene und geschichtsträchtige Insel, die auch einfach kurz »Skye« genannt wird, zählt zu den inneren Hybriden und liegt westlich des schottischen Festlands. Die zerrissene Insel scheint die Essenz Schottlands zu sein und hat das Flair mittelalterlicher Sagas. Durch die vielen Buchten und Lochs, die zwischen den zerklüfteten Felsen immer wieder tief ins Inland ragen, ist kein Ort auf dieser 1.656 Quadratkilometer großen Insel weiter als acht Kilometer vom Meer entfernt. Das Rauschen der Brandung ist also allgegenwärtig und verzaubert scheinbar nicht nur Touristen.

Eine magische Insel voller Mythen

Die »Nebelinsel«, wie das schottische Eiland auch genannt wird, scheint tatsächlich oft im Nebel zu versinken wie das mythische Land Avalon. Skye liegt in der rauen schottischen See und die wilde Kraft des Atlantiks ist überall spürbar – besonders an den raschen Wetterwechseln. Für die Einheimischen gibt es kein schlechtes Wetter, Besucher der Insel bekommen aber ganz schnell auch dieses Gefühl – die Natur ist so überwältigend, dass selbst ein überraschender Schauer auf einer Wanderung zum Erlebnis wird, solange man ein gemütliches Quartier gebucht hat, in dem man sich abends am Kamin aufwärmen kann.
Und jeder Winkel, jeder Felsen scheint seine eigene Geschichte zu haben, von denen man sich aussuchen kann, ob man sie glauben möchte oder nicht. So wie eines der berühmtesten Wahrzeichen der Insel – der Old Man of Storr. Diese Felsnadel befindet sich auf der nördlichen Halbinsel Trotternish, die als die schönste Halbinsel des ganzen Eilands gilt. Mit einer Höhe von fast fünfzig Metern ragt der einsame Wächter über die Küste und wirkt, als hätte Obelix einen gigantischen Hinkelstein dort vergessen.
Der Sage nach entstand dieses Wahrzeichen, weil eine Familie ihre Kuh verloren hatte und sich auf die Suche machte. Dabei wurden sie von Riesen überrascht und wollten fliehen, aber die Neugier war zu groß. Sie warfen einen Blick zurück und erstarrten zu Stein – seitdem steht der Old Man weithin sichtbar in der Landschaft und erinnert jeden daran, dass mit Riesen nicht zu spaßen ist. Die umliegenden Steine werden oft als die Familie des selbst zum Riesen gewordenen Steins bezeichnet, seine Frau allerdings ist schon vor Jahren eingestürzt. Der »verwitwete Familienvater« hat sich aber neuen Aufgaben zugewandt und hat seitdem tatsächlich schon in vielen Filmen mitgewirkt – denn als spektakuläre Kulisse ist er wirklich unschlagbar.

Von den Mythen ins schottische Leben – die Hauptstadt Portree

Portree ist vielleicht nicht ganz das, was man sich auf dem europäischen Festland unter einer Hauptstadt vorstellt. Stattdessen wirkt Portree wie ein lebendiger Farbklecks zwischen dem Grün der Insel und dem dunklen Grau der majestätischen Felsen. Die Häuser der kleinen Hafenstadt sind so farbenfroh und bunt angestrichen, dass sie einen wirklich weltweit einzigartigen Anblick bieten.
Wenn die Pastellfarben der Fassaden sich im Wasser des Hafens mit dem Himmel um die Wette spiegeln, kommt mediterranes Flair auf und man würde sich im Süden glauben – wenn die Bewohner der Stadt nicht knapp 2500 urige Schotten wären, die, selbst wenn sie Englisch reden, einfach wie Schotten klingen und sich auch gern gutmütige Späße erlauben und jahrhundertealte Clansfehden fortführen – heute allerdings eher als schlagfertige Wortgefechte im Pub.
In der Saison kann es allerdings voll werden im beschaulichen Portree, denn wenn alle Quartiere belegt sind und sich Besucher in der Stadt tummeln, verdoppelt sich die Einwohnerzahl. Trotzdem bewahrt die Hauptstadt den Charme eines echten Geheimtipps und bleibt ein Mekka für Individualtouristen, die abseits der ausgetretenen Pfade Schottland entdecken wollen. Und Pfade rund um Portree gibt es genug zu entdecken!

Sehenswertes rund um Portree

Schon die Anfahrt ist einen Halt wert, denn die neue Hauptstraße nach Portree führt an der berühmten Sligachan Bridge vorbei. Die ehrwürdige Steinbrücke soll um das Jahr 1820 erbaut worden sein und weist drei imposante Rundbögen auf, im Hintergrund umschmeichelt das Spiel der Wolken die zerklüfteten Berge – hier kein Foto zu machen wäre eine Sünde. Die Brücke wird übrigens nicht befahren, so fällt es relativ leicht, ein menschenleeres Foto des Bauwerks in unberührter Natur zu machen.
Zirka acht Kilometer nordwestlich der Hauptstadt gibt es beim Dorf Tote eine weitere Sehenswürdigkeit zu bestaunen, die wie so viele Besonderheiten der Insel mit einer skurrilen Geschichte verbunden ist. Viele Jahrhunderte lang hatten die Pikten und die Wikinger die Insel unter sich aufgeteilt und aus dieser Zeit sind auf Skye drei piktische Symbolsteine erhalten. Diese kunstvoll bearbeiteten Steine entstanden zwischen dem fünften und neunten Jahrhundert nach Christus und es wird vermutet, dass es sich bei diesen Menhiren um Grabsteine gehandelt hat.
Immer wieder werden solche Kunstwerke bei Ausgrabungen entdeckt. Der »Clach ard« genannte Stein bei Portree kam allerdings im Jahre 1880 zum Vorschein, als eine baufällige Hütte abgerissen wurde. Der mächtige Symbolstein hatte hier lange Zeit einfach ganz praktisch als Türsturz gedient. Inzwischen kommt ihm aber wieder die Ehre zu, die ihm gebührt. Er steht nun in einem Holzgehege nahe der Straße, wo Besucher ihn gut finden können und gibt mit seinen magisch anmutenden Symbolen heute noch Rätsel auf.

Ein Schloss mit Park in der rauen Wildnis

Im Nordwesten der Nebelinsel kann der Ort Dunvegan mit einer ganz besonderen Sehenswürdigkeit aufwarten. Hoch über dem Loch Dunvegan ragt der Stammsitz des Clans der McLeods auf – was nach dem Set eines Films wie »Braveheart« oder »Highlander« klingt, ist in Wahrheit das älteste noch bewohnte Schloss im gesamten britischen Königreich, das sich noch im Privatbesitz befindet. Die Familie McLeod lebt hier seit über achthundert Jahren und hat in dieser Zeit einige Sammlerstücke zusammengetragen, die der Öffentlichkeit zugänglich und wirklich sehenswert sind.
Neben einer Locke des in Schottland berühmten Bonnie Prince Charlie gibt es ein Trinkhorn, das kunstvoll mit Silber verziert ist und mehr als einen Liter fasst. Die Tradition will, dass der zukünftige Chef des Clans seine Standhaftigkeit beweist, indem er dieses Horn in einem Zug leert – allerdings wird es dazu mit Wein gefüllt, nicht mit dem berühmten Talisker Whiskey. Trotzdem bleibt diese Tortur etwas, worum man niemanden beneidet – selbst dann nicht, wenn man nach Bestehen der feuchtfröhlichen Prüfung der Häuptling eines berüchtigten Clans werden darf.
Und wer einmal da ist, sollte unbedingt auch einen Blick auf die stolzen Tafelberge mit dem klangvollen Namen »McLeods Tables« werfen. Die Dudelsackpfeifer des Clans lebten übrigens traditionell am gegenüberliegenden Ufer des Lochs. Vielleicht wollte der Häuptling der McLeods nicht direkt danebenstehen, wenn die jungen Pfeifer die Hymne »Scotland the Brave« übten?

Die Feen sind einfach überall …

Ein weiteres Highlight der Ausstellung auf Dunvegan Castle ist die Feen-Fahne, die sogenannte Fairy Flag. Dieser weltberühmte Stofffetzen kann kaum noch Fahne genannt werden, eher fadenscheiniges Fähnchen, aber der Legende nach bekam der Clan die Flagge von den Elfen geschenkt. Die Fahne soll den Clan schützen, solange sie in seinem Besitz ist, und wenn man bedenkt, wie lange die McLeods nun auf Dunvegan Castle residieren, scheint das ja auch funktioniert zu haben. Wissenschaftler vermuten zwar, dass dieses Stückchen Seide mit den Kreuzfahrern nach Schottland gekommen ist und schon damals eine Antiquität gewesen sein muss, aber wer möchte in Schottland schon an die Wissenschaft glauben, wenn man etwas mit Feen erklären kann?
Wer sich selbst auf die Suche nach den zauberhaften Fabelwesen machen möchte, sollte eine Wanderung zu den auf der ganzen Welt berühmten Fairy Pools einplanen. Südwestlich der Hauptstadt liegt der kleine Ort Carbost, von hier aus geht es weiter zu verwunschenen Seen, die von zahllosen Wasserfällen gespeist werden und in nahezu exotischen Farben schillern.

Und weiter geht es zu einer »Bank of Scotland« der anderen Art

Unterhalb des Dunvegan Castle, aber auch an anderen Orten der Insel, gibt es die Möglichkeit, ein kleines Boot zu besteigen und zu den Naturschönheiten des Meeres rund um Skye zu fahren. Denn hier gibt es einige Robbenfelsen zu bewundern und wer etwas Glück hat, kann die schottischen Robben beim »Chillen auf der Robbenbank« beobachten. Selbst Wale kann man bei Bootstouren sehen, wenn man Glück hat, aber auch Kajaktouren lohnen sich für Gäste, die ihren Urlaub gern mit sportlichen Outdooraktivitäten verbringen. Angler kommen natürlich auch innerhalb der Insel auf ihre Kosten, denn das Wasser ist in den zahlreichen Lochs, Buchten und Flüssen allgegenwärtig.

Wer von der wilden Natur und den Mythen noch nicht genug berauscht ist …

… der sollte noch die berühmte Talisker Destillerie besuchen, die jährlich immerhin zwei Millionen Liter des Whiskeys mit dem rauen Charme herstellt. Von hier aus lohnt es sich, einen Abstecher zur Talisker Bay zu machen, nach der der edle Tropfen benannt ist. Und wer sich jetzt nach ein bisschen Kultur sehnt, der findet auf der Isle of Skye sogar einen Silberschmied, der sein Handwerk bei Indianern gelernt hat und jetzt in keltischer Tradition fortsetzt.
Zu einer abschließenden Zeitreise lädt das Museum of Island Life ein. Dieses liebevoll gestaltete Museumsdorf mit seinen kleinen, strohgedeckten »Blackhouses« lässt Besucher nachempfinden, wie das Leben vor über hundert Jahren sich auf der Insel abgespielt hat. Eine Schmiede, eine Weberei und viele landwirtschaftliche Geräte geben Einblick in das harte Leben und Handwerk auf der Insel.
Ob man sich einer Travel Agentur für Individualtourismus anvertraut oder das Eiland auf eigene Faust erkundet – die Isle of Skye verspricht ein unvergessliches Erlebnis und ist immer eine Reise wert. Wer allerdings tatsächlich Feen trifft, sollte angebotene Getränke ablehnen, selbst dann, wenn das Trinkhorn verspricht, dass man Häuptling wird. Denn mit so verlockenden Angeboten verführen die Feen ihre Gäste, in Zeitlöcher zu fallen und für immer auf der Insel zu bleiben – aber wäre das wirklich so schlimm ?

Thomas Vitali